Gabun

13.12, - 28.12. 2019

Einreiseort: Eboro
Ausreiseort:
Moukoro
Währung: 1€ = 655,- CFA
Dieselpreis: 1l Diesel = 670,- CFA

 

Nachdem wir den Grenzfluss Ntem überqueren, erwartet uns beim ersten Schranken der Laufbursche der Einreisebehörde. Er verlangt eine Kopie vom Pass und eine Hotelreservierung von uns, dann macht er sich ans Ausfüllen des Einreiseformulares. Aber davor wird noch der richtige Kugelschreiber gesucht. Die Daten werden genauestens vom Pass abgeschrieben, auch Namen der Eltern werden notiert. Alle Papiere werden fein säuberlich mit einer Büroklammer im Pass befestigt, somit sind wir entlassen - zum nächsten Posten, der nur einige Meter entfernt ist. Hier werden nun die Notizen in ein großes Buch übertragen, auch dies dauert. Will man die Sache beschleunigen, sollte man einige Scheine rüberwandern lassen. Doch wir haben Zeit und sehen dem Beamten zu, wie schön er das G und W mit seinem Kugelschreiber ausmalt. Das Carnet wird gestempelt und wir dürfen einreisen. Doch den Einreisestempel in unseren Pass bekommen wir erst in der nächsten Stadt, ca. 20km entfernt vom Grenzposten.
Weit kommen wir nicht, der nächste Schranken versperrt uns den Weg. Hier sollten wir eine Maut entrichten. Was das ist, kann er uns auch nicht sagen, wir sollen doch nur zahlen. Wir handeln den Betrag auf akzeptable 500,-CFA runter.
Bald darauf haben wir die erste von 5 Kontrollen innerhalb von 5 Kilometern. Wahrscheinlich wird kontrolliert, ob der Laufbursche eh alles richtig geschrieben hat. Wolfi reicht es und er redet nicht mehr mit den Polizisten, Verena hat da mehr Geduld und erst als die nervigen Beamten auch noch ins Auto wollen wird es ihr zu bunt und schließt die Tür vor deren Nasen und wir fahren weiter. Etwas nervig die ganze Sache, aber was soll`s?

In Bitam kommen wir gerade noch rechtzeitig an, denn der zuständige Beamte ist schon am Sprung, er hat einen Termin außer Haus. Er lässt sich erbarmen und drückt noch schnell die Einreisestempel in unsere Pässe - nun sind wir offiziell in Gabun - hurra.
In der gleichen Straße finden wir einen kleinen Laden, indem wir SIM Karte und Internetguthaben kaufen können. Normalerweise muss man sich dafür registrieren, aber da wir ohnehin schon Probleme beim Aufladen haben, registriert uns der nette Verkäufer auf seinen Namen und beschleunigt somit die ganze Gelegenheit. Nebenan bruzelt Rindfleisch am Grill - Coupé coupé - mageres Rindfleisch dünn geschnitten mit Senf, Zwiebeln und Weißbrot - eine leckere Sache.

Als wir zum Amigo retour kommen, entdecken wir eine Öllache unterm Hinterachsdifferential. Diese Dichtung haben wir vor einigen Jahren in Thailand getauscht, es war keine Originale und somit hat Wolfi sicherheitshalber eine Neue im Gepäck. Gleich um die Ecke ist eine Werkstatt und da dürfen wir die Dichtung tauschen. Die Mechaniker kommen aus Mali und Kamerun, ein Helfer reicht uns das Werkzeug und reinigt die Teile. Eine Stunde später sind wir schon wieder unterwegs.

Die Hauptroute in den Süden ist gut asphaltiert. Eine Schneise inmitten des dichten Dschungels. Die große Regenzeit ist beendet und das Lieblingsgerät der Gabunesen, der Trimmer, hat nun Hochsaison. Ohne Regen wächst das Gras nicht mehr so schnell. Rund um den Häusern wird getrimmt, um den Schlangen und Moskitoscharen Herr zu werden. Würde man das Gras und Gebüsch neben der Straße nicht schneiden, würde sich der Dschungel innerhalb kürzester Zeit die Straße wieder zurückholen. Oft genug sehen wir das entlang der vielen Kilometer durch den Urwald. Das Gebüsch wächst sehr weit in die Straßen hinein, dass oft 2 Lkws nicht mehr aneinander vorbeikommen ohne das Grün zu streifen.
Wir denken an die zwei Schweizer Radfahrer, mit denen möchten wir hier nicht tauschen. Es ist echt gefährlich hier mit dem Rad entlangzufahren, bei diesen vielen unübersichtlichen, langgezogenen Kurven. Plötztlich, mitten im Nichts taucht ein riesiges Sportstadion auf, die Zufahrten zu den Parkplätzen sind schon wieder zugewachsen, man kann sie gerade noch erahnen. Bei der nächsten Kreuzung geht es rechts nach Äquatorialguinea. Später erfahren wir von den Einheimischen, dass vor einigen Jahren die beiden Länder gemeinsam den Afrikacup im Fußball ausgetragen haben und dafür wurde dieser wahnwitzige Bau mitten im Wald errichtet. Der Bau passt so gar nicht in die Landschaft, aber der Dschungel arbeitet daran den Fehler auszumerzen, denn wenn das Stadium nicht benutzt wird, ist es in ein paar Jahren nicht mehr zu sehen, außer Grün und nochmals Grün.

 

Es befinden sich einige wenige Häuser entlang der Hauptroute, aus Holz gebaut, jenem Rohstoff, den es hier zur genüge gibt. Wenn die Fenster geöffnet sind, kann man Vorhänge erkennen, im Garten ist es sauber aufgeräumt. Meist gedeihen ein paar Bananenstauden und Yamspflanzen neben dem Wohnhaus.
Die alten Frauen haben geflochtene Körbe am Rücken, den sie mit Hilfe eines Riemens über dem Kopf tragen. Darin wird die Ernte oder Brennholz nach Hause gebracht. Viele der Häuser sehen aber leer und verlassen aus, nur einige wenige dazwischen zeugen von Leben.
Klein Louis ist mit seinem Spielzeug Lkw auf der Straße unterwegs, auch er will einmal Grumier (Holzstämme) Fahrer werden und dafür übt er schon fleißig.


Wir kommen an vielen Holzfällercamps vorbei. Alles augengleiche Gebäude, in denen die Holzarbeiter mit ihren Familien wohnen. Bei den Einfahrtsschneisen in den Urwald ist meist ein Schild angebracht, auf chinesisch - man hat auch diese Arbeit ausgesourct. 3achs Mercedes Sattelschlepper vollbeladen mit geschnittenen Holz rollen auf den Straßen. Vor ein paar Jahren hat der Präsident entschieden, dass nur noch geschnittenes Holz das Land verlassen darf. Welch Geisteblitz, wenigstens bleibt ein kleiner Teil der Wertschöpfung, in Form von Sägearbeit, im Land. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht die Chinesen das Holz selbst zuschneiden...

Die "Grumiers", das sind die Holzlaster mit ihren wuchtigen Überrollbügeln, sind mit Stämmen beladen und immer im Konvoi mit Begleitfahrzeug unterwegs. Irgendwie scheint man hier in Gabun schon mehr auf Sicherheit bedacht zu sein. Auch gibt es wieder Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Hinweistafeln zum "Angurten" oder "Nicht Telefonieren am Steuer", dennoch halten sich die wenigsten daran.
Ein "Rahmen" vor einer Brücke hält die Holzfäller beim Beladen ihrer Trucks auf Schiene, ansonsten würden es keinen Gegenverkehr mehr geben wegen der überbreiten Transporte.

Gabun hat die Größe von 270.000 km², hat aber nur 2 Millionen Einwohner. Seit über 40 Jahren ist die Familie Bongo an der Macht. Ihr zu Ehren gibt es einen weltbekannten Song vom "King of Bongo" (Manu Chao - Bongo Bong) ;-)
Die meisten Menschen leben in den beiden Städten Libreville und Port Gentil. 80% der Fläche ist Dschungel, wovon wiederum 10% als Nationalparks ausgewiesen sind. Das Land ist tierreich, jedoch sind die Parks sehr abgelegen und leider auch sehr teuer. Eine 1 Tagessafari auf den Spuren der Dschungelelefanten kostet schon einige Hundert Euro pro Person. Im Dickicht des Waldes ist es sehr schwer, Tiere auszumachen. Es ist bestimmt ein großes Abenteuer, doch für uns passt das Preis-Leistungsverhältnis leider nicht. Also ist Gabun für uns eher als Durchgangsland gedacht und als Weihnachtdestination.
Vor uns in einer langgezogenen Kurve taucht eine grüne Schlange auf, sie will auf die andere Straßenseite. Oje, mach schon, schneller und Verena deutet mit ihren Händen - doch leider zu spät. Wir erwischen sie noch am Schwanz. Als wir stehenbleiben und zurückgehen, sehen wir, dass sie auch hinterm Kopf blutet. Die grüne Mamba schlängelt sich in die Büsche und wir hoffen, dass sie den Unfall überlebt, denn verarzten wollen wir sie dann doch nicht. Der Lizard schaut ganz ungerührt zu.

Vor oder nach den Ortschaften liegen die Müllberge. Altreifen werden einfach zu einer Sammelstelle im Wald gebracht - wenn der Haufen groß genug ist, wird er angezündet. Die vielen Autowracks bleiben einfach am Straßenrand liegen und nach zwei Regenzeiten sieht man nichts mehr, denn der Wald hat alles überwuchert. So bekommt man sein Müllproblem auch in den Griff :-(

Leider bleibt die Straße nicht so gut, denn ca. 70km in Richtung der Hauptstadt Libreville, sind eine Schauckelpartie. Amigo rollt durch 4 unterschiedliche tiefe Löcher gleichzeitig. Irgendwie ironisch, denn in Europa zahlt man viel Geld um mit seinem Geländewagen ein Offroad Fahrgelände zu benutzen. In den richtig tiefen Senken, stecken die Sattelschlepper fest. Bei den tiefen Löchern mit den Spurrillen der Lkws, steigen die Passagiere aus den Taxis aus, um das Gewicht des Autos so gering zu halten, damit sie beim Druchfahren nicht komplett aufsitzen.

Das liebste Fleisch der Einheimischen (kostet auch nichts) ist das Bushmeat. Gleich hinter dem Haus beginnt der Urwald, da wird einem das Jagen in die Wiege gelegt. Vor den Wohnhäusern stehen Ölfässer an denen eine Bambusstange montiert ist. Nach einigen solch leeren Gestellen, fragen wir uns, wofür denn das gut ist. Schon bald bekommen wir die Antwort, eine Fleischtheke!! Schildkröten, Krokodile, Gazellen, Stachelschweine, Buschratten, Affen... entweder frisch oder getrocknet. Es ist kurz vor Weihnachten und viele der Autofahrer halten an, um Fleisch und Unmengen von Kochbananen zu kaufen. Das Weihnachtsmenü lässt sich leicht erahnen.

Der Strandboulevard in Libreville ist eigentlich recht modern. Geschäftsgebäude und Appartementanlagen, 2spurig mit Mittelstreifen aus Gras und Blumen. Überall wird gefegt und gekehrt, gepflanzt und sogar der Müll aus dem Kanal, welcher ins Meer mündet, wird entsorgt. Weihnachtsbäume aus Lichterketten werden aufgebaut. Man merkt, dass Weihnachten nicht mehr weit entfernt ist. Doch der wahre Grund der Putzaktion ist ein Treffen der Finanzminister der ECOWAS Staaten.
Wir sind auf dem Weg zum Supermarkt, der den Europäischen in nichts nachsteht. Eine Megauswahl, jedoch happige Preise. Als wir so der Käse- und Wursttheke mit sehnsuchtsvollen Augen und speicheltriefend entlangschlendern, kommt plötzlich eine Verkäuferin mit einem Wagen angefahren. Darin allerlei Köstlichkeiten, die in ein paar Tagen ablaufen. Luftgetrocknete Salami, Büffelmozarella, Camembert, Ziegenkäse und Brie, Sauerrahm und Schinken. Anstatt ca. 8-10€/Produkt nun um ca. 1,50€/Produkt. Nun beginnt der große "Kampf", denn auch die anderen Einkäufer, besonders die Chinesen, langen mit vollen Händen zu, rempeln und stoßen, um ja schneller zu sein, als der Nachbar. Doch Wolfis Ellbogentechnik funktioniert noch sehr gut und schon eine Stunde später schlemmen wir wie Gott in Frankreich.
Beim Verlassen des Supermarkts entdecken wir noch den Weihnachtsmann, er hat es nach Afrika geschafft!! Doch leider ist er allein gekommen, weder Knecht Ruprecht noch seinen Sack hat er mitgenommen. Aber die kleinen schwarzen Kinder freuen sich auch über ein Foto mit dem komischen Kerl, glauben sie doch eh ans Christkind!

Als wir bei Mados Restaurant am Cap Estarias einfahren, staunen wir nicht schlecht. Denn am Restaurantparkplatz steht noch ein Overlander. Ein Renault Lkw mit seinen französischen Besitzern Pascal & Luc. Vielleicht sind wir nun zu Weihnachten doch noch in Gesellschaft, was uns freuen würde. Die beiden sind schon seit einem halben Jahr hier und haben eine Arbeit in einem renommierten Hotel in der Hauptstadt angenommen und somit sehen wir die beiden nicht sehr oft. Erst in ein paar Jahren wollen sie ihre Reise nach Südafrika fortsetzen.

Aber der Platz reißt uns nicht wirklich vom Hocker. Bei Flut ist überhaupt kein Strand vorhanden, aber bei Ebbe kann man gut marschieren. Also informieren wir uns beim Frühstück über den Tidenkalender, wann denn die beste Zeit zum Spazieren ist. Weit draußen am Riff liegt ein heruntergefallener Container und auch einige Holzschiffe müssen ihre Ladung verloren haben, denn es liegen sehr viele Stämme am Strand herum. Wieso die keiner einsammelt, wissen wir nicht. In den Zielländern ist so ein Stamm mindestens 10 - 15.000,- Euro wert. Die Restaurants und Häuser am Strand wirken sehr heruntergekommen, als ob seit Jahren niemand mehr hier gewesen wäre.


Gabun ist ein eigenartiges Land, wir wissen nicht, was wir davon halten sollen. Die Menschen sind sehr zurückhaltend, wenige grüßen, winkende Menschen können wir an einer Hand abzählen. Aber es bettelt auch niemand, eigentlich hat man die volle Ruhe, was ja auch nicht schlecht ist.

Mado aber wird das Leben schwer gemacht. Sie stammt aus Kamerun und afrikanischen Ausländern wird von vielen Seiten das Leben nicht gerade erleichtert. Von der örtlichen Polizei wird Schmiergeld gefordert, um ihr Restaurant offen zu halten. Man braucht Freunde in diesem Land, wenn man ein Geschäft führen will.
Gabun ist reicher als die Nachbarstaaten, die Löhne höher. Alle arbeitenden Menschen, mit denen wir geredet haben, waren alles Andere - nur keine Gabunesen. Das Erdölvorkommen hat einen gewissen Anteil der Bevölkerung sehr reich gemacht. Viele Familien haben zumindest einen entfernten Verwandten, welcher im Erdölgeschäft mitmischt und die ganze Sippschaft finanziell unterstützt. Lieber aufs Geld warten, als selber arbeiten gehen.
Blöd nur wenn der Ölpreis fällt, denn dann bleiben auch die Schecks aus oder sind nicht mehr gut dotiert...


Es ist mitten in der Nacht, wir schrecken vom Schlaf auf. Es rumpelt über unseren Köpfen - Donner und Blitz, sofort gefolgt vom nächsten Donner, welcher so gewaltig ist, dass die Erde bebt und so schneidend, dass es in den Ohren weh tut. Verena liebt normalerweise Gewitter, das monotone Prasseln des Regens lässt sie am besten schlafen, doch diesmal sitzen wir beide im Bett und hoffen, dass es schnell vorüber geht. Doch das Gewitter dreht sich im Kreis und dauert einige Stunden an. Zum Glück passiert nichts, es sind genug hohe Bäume rundherum.

In der nächsten Nacht werden wir wieder munter - ein komisches Geräusch. Doch als wir ganz angestrengt auf den nächsten Laut lauschen, hören wir nichts mehr. Muss wohl von draussen gekommen sein. Wir drehen uns um und schlafen wieder ein. Am nächsten Morgen entdeckt Wolfi kleine Hinterlassenschaften auf unseren Teppich und gleich darauf ein Loch im Moskitonetz. Ein kleines Tierchen muss wohl unter dem Netz hereingekommen sein, aber nicht mehr raus - also hat es sich rausgebissen. Wir rätseln welches Tier das wohl gewesen sein kann, eine Maus oder ein Mungo? Wir haben keine Ahnung.
Die Nacht darauf schließen wir die Haustüre, um nicht wieder einen unwillkommenen Besucher zu bekommen. Man glaubt es kaum, ist dieses kleine Biest wieder aufgetaucht, doch hat es sich diesmal am Dachfenstermoskitonetz hergemacht und durchgebissen, um hereinzukommen. Was will denn dieses Tier bei uns?

Am Sonntag wandern wir auf gut markierten Wegen durch einen kleinen Nationalpark. Schweißnass und mit völlig durchtränkter Bekleidung erreichen wir einen abgeschiedenen Strand. Es ist gerade Flut, die Wellen kommen mit einem Karacho ans Land und lassen die mächtigen Baumstämme, welche im Wasser schwimmen, wie Mikadostäbchen aussehen. Sie werden vom Wasser herumgewirbelt - wie mächtig doch dieses Element ist!

Uns gefällt der Platz am Cap Estarias nicht besonders gut. Weihnachten wollen wir nicht hier feiern, also machen wir uns auf den Weg nach Lambarene. Da wir ziemlich spät losfahren, übernachten wir irgendwo neben der Straße im Wald, ziemlich genau am Äquator. Am nächtsten Morgen sind wir beide total zerstochen. Rote Punkte am ganzen Körper, als ob wir Masern hätten. Hatten wir tatsächlich eine Sandflohattacke. Die Viecher sind so klein, dass die durch unser Moskitonetz durchschlüpfen und sich an unserem Blut genüßlich hermachen konnten. Nach ein paar Tagen jucken ein paar noch immer ganz schrecklich, doch die Mehrzahl an Punkten ist verschwunden.

Hier am Äquator machen wir auch noch den ultimativen Test. Wolfi trinkt ein Bier und pinkelt auf der nördlichen Hemisphäre auf die rote Erde Afrikas - es schäumt. Nach wenigen Kilometern finden wir eine Piste in den Dschungel, Wolfi trinkt noch ein Bier und pinkelt auf die südliche Seite der Erdkugel. Wir trauen kaum unseren Augen, aber es schäumt auch dann nicht, als Wolfi vom Einstieg aus runter pinkelt. Es waren beide Male Dosenbier von der selben Marke vom Supermarkt in Libreville. Ob das nur mit Dosenbier funktioniert wissen wir nicht, denn wir hatten kein Flaschenbier. Diesen Versuch werden wir uns für die nächste Äquatorquerung im Osten Afrikas aufsparen.

In Lambarene parken wir direkt vor dem Museum. Albert Schweizer hat hier Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Errichtung eines Urwaldhospitals begonnen. Wir stehen nun am Ufer des Flusses Oguoe, wo anno dazumal die Patienten aus dem Dschungel in Piroggen hergebracht wurden. Sein Wohnhaus und Büro befindet sich unter altem Baumbestand. Die Architektur ist tropentauglich und wurde nach seiner Anleitung erbaut. Die Wände sind kreuzförmig mit Holzplanken errichtet, die Öffnungen sind mit Moskiotnetz verhangen. Unter dem Dach befindet sich ein zweites Dach, dazwischen genug Platz. Somit kann die Luft gut zirkulieren und auch tagsüber, wenn das Thermometer auf über 35°C und mehr als 90% Luftfeuchtigkeit klettert, ist es im Gebäude noch angenehm kühl.

Im Musuem sind sämtliche Werke und Machenschaften über diese bemerkenswerte Person zusammengetragen. Er war Arzt, Theologe, Musiker und Philosoph. In seinem ehemaligen Zimmer steht noch sein tropentaugliches Piano, doch leider ist es schon schlimm von Termiten zerfressen.
Die Ehrfurcht vor dem Leben wurde bei ihm sehr groß geschrieben. Neben den Patienten, behandelte er auch alle kranken oder verletzten Tiere. Die Patienten mussten Familienmitglieder mitbringen, die dann die Pflege des Kranken übernehmen sollten. Es wurde jeder behandelt, auch wenn kein Geld vorhanden war. Unweit des Krankenhauses hat er ein Lepradorf errichten lassen, das es noch heute gibt, allerdings leben nur noch wenige Menschen dort, da die Krankheit zum Glück nicht mehr so häufig vorkommt.
Beim Besuch des alten Spitals fühlen wir uns sofort viele Jahre zurückversetzt, wir können die Menschen vor dem Konsulationsbüro anstehen sehen. Im nun verstaubten Bambuskorb hören wir das neugeborene Baby schreien.
In der kleinen Kammer neben der Apotheke rührt die junge Ärztin im Tigelchen und sucht nach schmerzlindernden Medikamenten für den Malariapatienten. Im Zahnarztstuhl liegt gerade eine Frau vom Stamme der Fan, ihr Zahn schmerzt und gehört ausgebessert. Dafür wippt der Zahnarzt mit einem Fuß auf dem Pedal, so wie früher bei einer Nähmaschine, damit wird der Bohrer über eine Welle betrieben...
1965 ist Albert Schweizer 90jährig verstorben, sein Grab und das seiner Frau Helene befinden sich neben ihrem ehemaligen Wohnhaus.

Nach seinem Tod wurde die gesamte Anlage in eine Stiftung gegeben, erst von seiner Tochter geführt und dann an Gabun übergeben. In den 1980er Jahren wurde ein neues moderneres Hospital am Gelände errichtet. Nach einigen Ungereimtheiten und Korruptionsfällen zog sich die Albert Schweitzer Stiftung vom Hospital zurück und betreibt heute nur noch die große Forschungsstation CERMEL nebenan. Uns wird erzählt, dass Patienten abgewiesen werden, wenn sie nicht genügend finanzielle Mittel für ihre Behandlung mitbringen. Ob das im Sinne des großen Albert Schweitzers gewesen wäre?

Es ist 24. Dezember: Wir schmücken unseren Christbaum, entzünden ein Teelicht, beschallen uns mit Weihnachtsmusik, die sich mit dem Surren des Ventilators harmonisch vereint. Unsere Kleidung klebt am Körper, obwohl es schon 17.00 Uhr ist, hat es noch immer 33°C/88% Luftfeuchtigkeit, nochmals duschen hilft nicht wirklich.
Das Rindersteak an Steinpilzsauce mit Spätzle schmeckt dafür hervorragend. Doch die weihnachtliche Stimmung will sich nicht recht einstellen, denn Verena haut Wolfi beim Spieleabend ordentlich rein. Wir bekommen noch Besuch von einem deutschen Pärchen, Milena hat vor 20 Jahren hier gearbeitet und ihre Doktorarbeit geschrieben. Gemeinsam stoßen wir mit spanischem Cava auf die Weihnachten an.

Am 2. Weihnachtstag gesellen sich die südafrikanischen Overlander Lou und Gevin zu uns. Mit einem Toyota Landcruiser wollen sie in einem Jahr rund um Afrika fahren. Ihre Erzählungen über das südlichste afrikanische Land hören sich super an, die Vorfreude wächst, denn weit haben wir es nicht mehr bis Kapstadt... Wir sind uns auf Anhieb sympathisch und so dauert es etwas länger, bis wir uns schließlich am nächsten Tag verabschieden.


Am späten Nachmittag brechen wir Richtung Süden auf. An der Tankstelle füllen wir etwas Diesel auf - warum ist dieser eigentlich in einem so erdölreichen Land so teuer?
Der Dschungel ist nicht mehr ganz so dicht und es geht über in die Savanne. Hin und wieder sieht man Grasland und Bambushaine. In dieser Landschaft eine Elefantenfamile - so stellt man sich das typische Afrikabild vor. Doch die Elefanten wollen sich nicht zeigen, obwohl es hier genug geben sollte. Schade!

In Ndende werden die Ausreiseformalitäten erledigt. Gleich am Beginn des Dorfes befindet sich das Büro der Immigration. Hier endet auch der Asphalt und die "Zivilisation", 50km sind es noch bis Kongo. Es dauert nicht lange, bis wir auf das erste Hindernis stoßen. Eine etwas matschige Stelle, zwei 3achs Lkws mit Maniok beladen stehen hier schon seit Stunden. Nur in der Unterhose bekleidet steht der Fahrer hüfthoch im Dreck und versucht mit einem aufgeschnittenen Kanister das Wasser zu entfernen. Nebenan sammelt der Beifahrer Gesteinsbrocken, um sie dann ins Loch zu werfen. Nach Besichtigung der Gefahrenstelle, meint Wolfi: "Kein Problem, das schaffen wir, außerdem sehen die Fahrer dann, wie tief das Gatschloch wirklich ist und an welcher Stelle sie die paar Steine reinwerfen müssen." Mühelos fährt sich unser Amigo durch das Loch, wobei nur einmal kurz das braune Wasser bis an die Stoßstange geht, knapp wir es dann nur neben den beiden Lkws auf der schmalen Piste. Wir geben den Jungs noch Trinkwasser und weiter geht´s Richtung Grenze.

 

Die Lkw Fahrer sind nach ihren Angaben regelmäßig hier unterwegs. Bringen sie tatsächlich Maniok vom Kongo nach Libreville? Für uns unverständlich, warum bauen die Gabuner das Gemüse nicht selber an? Aber wir verstehen ja auch nichts von Landwirtschaft, eher schon vom Straßenbau. Warum kauft man sich nicht zusammen mit den anderen Spediteuren einen Haufen richtiger Steine, um diese Stelle zu entschärfen? WARUM, ein Wort das man in Afrika besser vergessen sollte.


Die weitere Piste ist recht nass und gatschig, doch für den Amigo zum Glück kein Problem. Am Himmel die nächsten Regenwolken. Auf den letzten paar Kilometern haben wir noch 2 oder 3 Polizeicheckposts. Nachdem er unseren Pass abgeschrieben hat, hat er noch zusätzlich ein paar Fragen, die notiert werden müssen. "Name, Telefonnummer. und Beruf der Eltern?" Name ist ok, der Rest geht euch nix an. "Waren sie schon mal im Gefängnis?" Wolfis Antwort: "schon 5x" Der Beamte schluckt und schaut ganz verwundert. " Ich habe neugierige Leute ermordet!" Jetzt reicht`s ihm und ganz schnell sind wir fertig. Wie ist das eigentlich mit Datenschutz?
Endlich erreichen wir den Schranken, der uns nach Kongo führt.


 

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