Botswana

27.04. - 13.05.2022

Einreiseort: Ramatlabama
Währung: 1€ = 12,72 Pula
Dieselpreis: 1l = 13,90 Pula

Wir bekommen automatisch 90 Tage Visum in den Pass gestempelt, das südafrikanische TIP läuft einfach weiter, eine Versicherung ist zu bezahlen und eine Straßenmaut zu entrichten. Am Gate müssen wir aussteigen und mit unseren FlipFlops auf einem nassen Tuch ein Tänzchen veranstalten, schließlich müssen die Straßenschuhe steril sein, die Maul & Klauenseuche lässt grüßen. Gut, dass die Beamten nicht wissen, dass wir noch weitere Paar Schuhe besitzen. Die Schranke geht hoch und wir rollen gen Norden der Hauptstadt entgegen. Bei der ersten Tankstelle blinken wir rein, denn der Diesel ist deutlich günstiger, als in Südafrika und so füllen wir unseren fast leeren Tank voll.
Wenig Verkehr, hin und wieder kreuzt Weidevieh die gut ausgebaute A1 und gut beladene Eselskarren kommen uns entgegen, vorbei am rauchenden Müllberg - ja Gabarone, die Hauptstadt, ist nicht mehr weit. Im Supermarkt stocken wir unsere Gemüse- und Obstvoräte auf, denn das sollte man nicht über die Grenze bringen, haben wir gelesen. Niemand hat sich dafür interessiert und nun kaufen wir die größtenteils südafrikanische Frischware um einiges teurer ein, denn im trockenen Botswana wächst nur wenig Obst und Gemüse.


Am Stadtrand statten wir dem Wildlife Office einen Besuch ab, wir wollen uns über die kürzlich erhöhten Parkeintritte informieren. Ja es ist teuer - ob wir uns das leisten wollen, wissen wir noch nicht. "You need a booking to enter the Nationalpark", so der Angestellte. Auch ein exaktes Datum für die Buchung und alles am besten gleich hier am Schalter. Doch es sind noch mehr als 700km bis zum ersten Nationalpark und wir wollen uns noch nicht festlegen.
Etwas enttäuscht über die hohen Preise verlassen wir das Gebäude. Kalahari und Okawangodelta, das sind Begriffe die man aus vielen Naturdokus kennt.
Der Süden und Südosten Botswanas ist am dichtesten besiedelt, die Mehrheit der 2 Millionen Einwohner leben hier. Schon bald lassen wir die Städte hinter uns und befinden uns auf der schnurgeraden, extrem langweiligen Asphaltstraße Richtung Maun, welche links und rechts von einem Zaun gesäumt ist. Hinter den Zäunen sind nur selten Farmen, es wird eigentlich der Verkehrsteilnehmer vor den überall frei rumlaufenden Tieren geschützt.
Bushcampen ist einfach, man biegt auf eine Piste ab und fährt ein paar Meter weg von der Hauptstraße, oder man öffnet eines der Tore und schlägt sich in die Büsche oder man bleibt einfach zwischen Asphalt und Zaun stehen.

Botswana hat einen guten Ruf in Afrika. Das Land, wo am wenigsten Korruption und Kriminalität herscht, das Wirtschaftseinkommen wird einigermassen gut auf die Bevölkerung aufgeteilt, indem eine passable Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser errichtet worden sind. Die Wirtschaftsleistung wird aus Diamantenabbau, Rinderhaltung und Safaritourismus lukriert.
Kurz vor der Diamantenstadt Orapa gehen wir für eine Nacht auf den Tuuthebe Camping. Unsere Wasservorräte neigen sich dem Ende und Infos über die umliegende Gegend wären auch nicht schlecht. Leider sind wir alleine am Camping mit 2 hübschen Kronenkranichen und ein Chamäleon leistet uns etwas Gesellschaft. Am Ende des Tages heizen wir den Griller ein und machen Reisepläne. Kurz schaut der nette Lodge Besitzer vorbei, hilft Wolfi mit seiner Schweißerei aus und gibt nützliche Infos zur Umgebung.

Oft bekommen wir Besuch bei unseren Wildcampingspots. Vorbeireitende Rinderbarone oder deren Hirten, fast alle in blauer Montur, die muss es hier im Land im Sonderangebot geben. Neugierig stellen wir uns gegenseitig Fragen und so erfahren wir, dass sie auf der Suche nach ihren Rindern sind, die tagsüber allein umherziehen dürfen. Am Abend werden sie eingetrieben. Die Tiere sind ihr ganzer Reichtum, 200 Rinder sind keine Seltenheit.

Wir sehen das Schild an der Abzweigung: 45km bis zum Central Kalahari Game Reserve, kurz CKGR. Sollen wir? Sicher, probieren wir es, vielleicht kommen wir auch ohne Buchung in den fast 53.000km² großen Park. Er ist größer als die Schweiz. Als Jugendliche haben wir beide schon Abenteuerromane geliebt und da stößt man unweigerlich auf die Wüste Kalahari. Nun sind wir so kurz davor, also nichts wie los. Luft aus den Reifen und schon sind wir auf der sandigen Piste unterwegs zum Matswere Gate. Erschwerend hinzu kommt, dass wir kürzlich das Buch "Cry of Kalahri" von Delia & Mark Owens gelesen haben. Die beiden haben in den 80er Jahren im Deception Valley in der Central Kalahari das Leben der Hyänen und Löwen erforscht. Kurzum, das Buch macht deutlich Lust auf mehr!
Kurz vor dem Gate verbringen wir noch eine Nacht mitten im Busch, denn falls es klappt, wollen wir schon früh am Morgen rein, um den Tag voll auskosten zu können. Der Eintritt ist: 190,- pro Person und Tag, für das Camping 40,- pro Person und Tag (in einem staatlichen Camp), die privaten kosten viel mehr und 75,- für das Fahrzeug bis 3.5t, 1000,- bis 7,5t und 1.500,- über 7,5t.



Wolfi steigt beschwingt und mit guter Laune aus dem Amigo, der Angestellte am Gate ist freundlich und grüßt schon aus der Ferne - Guter Ausgangspunkt für Verhandlungen. Alles ist einfacher als gedacht, das Reservieren eines Camps ist überhaupt kein Problem. Ein Telefonanruf in die Zentrale und er weiß, welches Camp für die kommenden 2 Tage noch nicht gebucht ist. Auf die Frage nach dem Fahrzeug, antwortet Wolfi ganz lässig: "It`s only 3.5t, everything is Aluminium and plastic!" Der Angestellte geht darauf nicht weiter ein und stellt ein Ticket für einen Pkw aus. Er meint nur noch, dass wir die Fahrräder im Park nicht benutzen dürfen. Ist ja eh klar,-)
Jawohl wir sind drinnen! Die Safari kann beginnen. Die dornigen Buschen kratzen am Amigo entlang. Das gelb leuchtende Gras weht im Wind. Man hört nichts, außer dem Vogelgezwitscher. Wir tauchen in die Einsamkeit der großen Wüste ein. Nach 40km erreichen wir die Deception Pan, einst von Flüssen geschaffen ist es nun eine Grassavanne, in der sich die Oryxe und Springböcke wohlfühlen. Die Herden sind riesig, die Bäuche sind nun nach der Regenzeit dick gefüllt. Manche Tiere haben ein schiefes Horn, ein Abgerissenes oder gar keins. Die quirrligen Erdhörnchen sind auf der Suche nach Futter. So schnell wie sie aus ihren Erdlöchern auftauchen, sind sie auch wieder darin verschwunden. Sogar in der Mittagshitze sind sie mit Futtersuche beschäftigt, denn sie verwenden ihren buschigen Schwanz als Sonnenschutz.

Kori Camp Nr. 3 ist unseres. Unterminiert mit einem Tunnelsystem von den Erdhörnchen fahren wir in Slalom rein. Ein Plumpsklo und eine Vorrichtung für eine Eimerdusche. Eimer und Wasser muss man selber mitbringen. Eine Feuerstelle ist am Platz, wo wir gleich nach dem Sonnenuntergang ein Feuer entzünden, denn das sollte die großen Raubtiere abschrecken.

Wir sitzen am Feuer und lauschen den Geräuschen der Tierwelt. Die Schakale rufen zur Jagd und die erste Stunde nach Sonnenuntergang wird vom Quacken der Xylophonfrösche (wir wissen nicht, wie sie wirklich heißen, aber es hört sich so an) bestimmt. Als Verena dann mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchtet, entdeckt sie sofort ein Paar reflektierende Augen. Eine Wildkatze versteckt sich unter dem Busch. Sie sieht unseren getigerten Hauskatzen sehr ähnlich, nur hat sie deutlich längere Beine. Ihr Gebiet ist 20km² groß erfahren wir aus unserem schlauen Buch und wie es der Zufall so will, schleicht sie am nächsten Tag, als wir in der Pan beim Mittagessen kochen sind, am Amigo vorbei. Auch ein Schakal ist auf Durchreise, doch als wir ihn anleuchten, macht er einen großen Bogen um unser Camp. Wir entdecken auch kleine Skorpione mit der Blaulichtlampe.


In der Nacht werden wir vom Löwengebrüll munter. Sie sind nicht weit weg. Der Wecker klingelt zum Sonnenaufgang und schon sind wir auf der Piste. Bestimmt 10 frische Löwenspuren im Sand, wir fahren ihnen hinterher und verlieren nach ca. 3 km ihre Spur, denn die steinharte Piste lässt keine Spuren mehr erkennen.

Löffelhunde im Gras. Wenn sie sich niederlegen, verschwinden sie komplett und wir sehen sie gar nicht mehr. Das Gras ist nach dem Regen sehr hoch, das macht Tiersichtungen nicht unbedingt einfach. Doch die Springböcke sind etwas größer und wir sehen ihnen beim Grasen zu.


Frühstück gibt es in der Leopard Pan, da sehen wir das erste Fahrzeug mit Touristen, wir sind doch nicht ganz alleine auf weiter Flur. Oryxe, Gnus....aber keine Spur von den Kalahari Löwen.

Recht eng und kurvig ist es bis zur Leopard und der Sunday Pan, eigentlich sind die Wege für Pick ups ausgelegt und es ist zum Aufpassen. Durch den niedrigen Luftdruck ist die Wulst vom Reifen sehr ausgeprägt und kann leicht durch spitze Holzteile aufgeschlitzt werden, da wir ja ständig mit einem Reifen aus der Spur sind, ist das Risiko hoch. Doch das grausamste Stück kommt erst auf der Cutline. Mittlerweile ist das Kratzen der Dornenbüsche in unseren Ohren vertraut, doch diese Piste ist nochmals enger und Äste versperren uns das Durchkommen. Wolfis Machete kommt in Einsatz. Kleine Schäden wie Markisenstange, Markisenstoff und Außenspiegel sind zu beklagen. Doch die Landschaft, in herrlichen Farben getaucht, entschädigt alles. Morgens und Abends glaubt man im Paradies zu sein, während Verena Mittags das Gefühl hat, sich am Ende der Welt zu befinden. 30°C und mehr knallt die Sonne runter, Luftspiegelungen wie eine Fata Morgana, alles sehr unwirklich, während es in der Nacht auf 6°C abkühlt.


"Schau die Giraffe hat sich für uns hübsch gemacht, mit Halskette!" Nein, das ist kein hängengebliebener Strauch, auch kein Sender - was ist es dann? Durch das Fernglas sehen wir, dass die Giraffendame eine ziemlich große offene Wunde am Kinn hat, eigentlich ist das alte abgerissene Haut, die nun schon ledern wirkt. Ist sie einem erfolglosen Angriff von Löwen entkommen? Die Blätter am Baum schmecken ihr nicht, sie bevorzugt Gras vom Boden, das wir bei keiner anderen Giraffe bis jetzt beobachtet haben. Aber vielleicht hat sie Schmerzen, wenn sie mit ihrer offenen Wunde zu nah an die dornigen Äste kommt. Riesentrappen, Sekretäre und Frankoline sind im Gras auf Futtersuche.

Nach 2 Nächten und 3 Tagen verlassen wir schweren Herzens die Central Kalahari, obwohl wir keinen Löwen, keinen Leoparden oder Geparden gesehen haben, ist es doch wunderschön gewesen.

Kaum aus dem Park raus, laufen überall Rinder umher. Wie oft solch eines wohl Opfer eines Löwenangriffes wird?
Als Botswana anfing, Rindfleisch in die EU zu liefern, wurden die Gesetze und Regeln des Fleischmarktes verschärft. Um die Maul- und Klauenseuche von Büffeln und anderen Wildtieren nicht auf domestizierte Rinder zu übertragen, wurden tausende Kilometer Zäune durch das ganze Land gezogen. Es sollte theoretisch keinen Kontakt zwischen Wildtieren und Rinderherden mehr geben.
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht solch einen Veterinär Checkpost passieren. Kein rohes, rotes Fleisch ist erlaubt, wenn man in Gegenden fährt, wo domestiziertes Vieh ist.

Am Bopeti entlang sehen wir dann das Szenario mit eigenen Augen. Im Moment ist zwar kein Wasser im Fluss, nur vereinzelte Wassertümpel sind noch übrig. Ein zweireihiger Zaun zieht sich am anderen Ufer des Flusses entlang. Die Rinder können zum Saufen dorthin, während die Wildtiere das köstliche Nass durch den Zaun anschauen müssen. Doch die Elefanten lassen sich davon nicht aufhalten und treten immer wieder die Zäune nieder. Auf der anderen Uferseite befindet sich der Makgadikgadi Nationalpark und wahrscheinlich werden sie dort wohl künstliche Wasserlöcher erschaffen haben. 3 Elefanten trotten hinterm Zaun vorbei, während wir vor dem Amigo eine Wasserpfeife rauchen.

 

Wir sind bereits im Norden von Botswana, weit ist es nicht mehr nach Maun. Hier fliegen die meisten Safaritouristen ein, denn bis zum Moremi und Chobe Nationalpark ist es nicht mehr weit. Im Audi Camp verbringen wir ein paar nette Tage am Pool, treffen eine alte Bekannte, die Gabi, die wir vor 7 Jahren in Kambodscha getroffen haben und machen Bekanntschaft mit angehenden österreichischen Ärzten, die ein Auslandssemester in Kapstadt hinter sich haben und nun mit einem Mietauto die umliegenden Länder erkunden, bevor es retour nach Österreich geht. Achja, man darf auch mit einem Mercedes aufs AUDI Camp fahren, den Audi wird der Schreiseeadler in Setswana genannt.

Die Eintrittsgebühren für Chobe und Moremi sind nochmals teurer, doch die Khwai Konzession liegt genau zwischendrin, und ist ohne Eintritt zu befahren. Dorthin sind wir nun unterwegs. Keine 20km von Maun entfernt, erhalten wir eine Nachricht von Bini & Peter, dass sie nun schon früher, als erwartet hier eingetroffen sind. Gut, dass wir noch nicht weit sind, wir drehen um und treffen uns mit ihnen im Sedia Hotel/Camp. Ein netter Camping mit schattigem Garten und kaltem Pool.
Peter hilft dem Wolfi beim Ventile einstellen. Beim Arbeiten kommen sie drauf, dass sie genau vor 10 Jahren im nördlichen Indien auch die Ventile vom Amigo eingestellt haben - sozusagen ein Jubiläum! Es dauert etwas, bis die Jungs endlich wissen, wie die Zylinder am Amigo angereiht sind, respektive bei welchem man zu zählen anfängt... Nun wird es aber in der Bedienungsanleitung verewigt, damit es uns in 10 Jahren nicht wieder passiert:-)
Der Auspuff ist undicht geworden und er klingt wie ein Panzer beim Anfahren... schweißen zahlt sich nicht aus und Piet von der Firma OTL ordert uns 2 neue Flexrohre mit den passenden Anschlussstücken.
Die Damen schmieden inzwischen Pläne für die kommenden Wochen, denn wir wollen gemeinsam am Khwai River auf Safari gehen. Bini & Peter brauchen noch ein paar Tage in der Stadt, so fahren wir mal vor und treffen uns dann auf der Strecke.
Wir 4 sind nicht die einzigen Österreicher am Camping, auch Stefan aus Wien weilt am Platz. Er hat seinen Landcruiser seit einigen Jahren in Windhoek stehen und fliegt regelmäßig dorthin, macht Touren durch die angrenzenden Länder und hat viele gute Tipps für uns, ihm verdanken wir auch die Namensgebung der Xylophon- Frösche :-)

Doch bevor es los geht, kaufen wir in Maun frisches Gemüse und Obst ein. Nebenan sind die Jungs am Freiluftbillard spielen und bei der Stadtausfahrt gibt es Topfküche am Straßenrand. Am besten man macht einen auf Häferlgucker, um zu entscheiden was einen anlacht - uns lacht zum Beispiel nichts an.

Nun kann es endlich losgehen... ab in die Wildnis, ab zum Rand vom Okawangodelta!

 

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